Donnerstag, 14. Dezember 2017

Die sonnige Kinderstraße

Meine frühe Kindheit hat
Auf sonniger Straße getollt;
Hat nur ein Steinchen, ein Blatt
Zum Glücklichsein gewollt.


Jahre verschwelgten. Ich suche matt
Jene sonnige Straße heut,
Wieder zu lernen, wie man am Blatt,
Wie man am Steinchen sich freut.



Joachim Ringelnatz



Noch eines von den gelesenen Büchern (das zweite von Sophie Bonnet), das mich aber nicht mehr so sehr angesprochen hat. Für mich zu wenig Krimi, eher oberflächliche Schönheit und begrenzte Heiterkeit. Das ist schon ein großer Unterschied zu Jan Seghers.




Mittwoch, 13. Dezember 2017

Freiheit

ich liebe diese schönen stunden mit dir
in denen ich aus der reihe falle
ich liebe diese schönen tage mit dir
die nichts tragen als freiheit



Hermann Josef Schmitz

Dienstag, 12. Dezember 2017

Der Seufzer

Ein Seufzer lief Schlittschuh auf nächtlichem Eis
und träumte von Liebe und Freude.
Es war an dem Stadtwall, und schneeweiß
glänzten die Stadtwallgebäude.


Der Seufzer dacht an ein Maidelein
und blieb erglühend stehen.
Da schmolz die Eisbahn unter ihm ein -
und er sank - und ward nimmer gesehen.



Christian Morgenstern

Montag, 11. Dezember 2017

08122017 // S 01 M // 52:24

schmetterlinge aus luft ein buch aus schnee unerwartet fallen die wörter seitenweise über mein gesicht im dunkel der waldaugen blattechsen ein geschundener weg und die nicht mehr endenden fragen über die unfassbaren geschehnisse wer trägt die zeit und das gewicht der welt wohin kommen die stunden wenn die achtlosigkeit eine rinde um die seele legt lichtschlaufen und ein entrückter fluss bis zum bitteren gestein entblösst und dazwischen die stille die wie ein verhängnis in den bäumen hängt morgen wird mehr schnee fallen das grau wird eine gewesene täuschung sein und sorglos werden sie die wahrheiten vergessen und sich wieder dem unwichtigen widmen das glänzt und später werden die menschen verschwinden aus den städten ab und zu ein flüchtiger gang aber die türen werden keine luft mehr tragen und später  werden auch die dörfer nicht mehr nur am mittag wie ein vergessen gewesen sein morgen wird mehr schnee fallen und die schmetterlinge aus luft werden weinen weil die stuben kalt geworden sind im gewitter der nachrichten und im vergessen der liebe weil die täuschungen zu einem zweiten leben geworden sind ein geschundener weg bleibt auch im rückkehren und ich atme dennoch leichter mit den schmetterlingen aus luft und der hoffnung auf deine sehnenden augen


Hermann Josef Schmitz 




Laufen ist für mich schon immer vielfältige Inspiration. Am Freitag war es trotz Schneehagel, in den ich kam, ein besonders schöner und auch mal wieder längerer Lauf an der Emme entlang. Das Laufen verändert meine Gedanken, erweitert sie, bringt neue zu Tage und nimmt den schweren regelmäßig Raum. Laufen inspiriert mich auch wieder zu Prosatexten ohne Satzzeichen, die ich 2014 hier über ein Jahr schrieb und die es als Buch in letzten Exemplaren auch noch bei mir direkt gibt. Das Schreiben entsteht in der ersten Zusammenfassung direkt nach dem Laufen und noch vor dem Duschen, sonst geht zuviel verloren ;-).


Noch eines von den gelesenen Büchern der letzten Tage. Das zweite von Michael Frey Dodillet - humorvoll wie das erste und mit mehr Tiefgang dieses Mal.



Sonntag, 10. Dezember 2017

Der Träumer

I

Es war ein Traum in meiner Seele tief.
Ich horchte auf den holden Traum:
ich schlief.
Just ging ein Glück vorüber, als ich schlief,
und wie ich träumte, hört ich nicht:
es rief.



II

Träume scheinen mir wie Orchideen. –
So wie jene sind sie bunt und reich.
Aus dem Riesenstamm der Lebenssäfte
ziehn sie just wie jene ihre Kräfte,
brüsten sich mit dem ersaugten Blute,
freuen in der flüchtigen Minute,
in der nächsten sind sie tot und bleich. –
Und wenn Welten oben leise gehen,
fühlst du’s dann nicht wie von Düften wehen?
Träume scheinen mir wie Orchideen. –



Rainer Maria Rilke

Samstag, 9. Dezember 2017

Das Glück aufzählen

das glück aufzählen
wie eine reihe leiser sterne
und das unglück nicht lassen
aber es an der hand halten
und bändigen wie einen jungen hund
das glück aufzählen
wie unvergessene begegnungen
und die angst auf morgen verschieben
wenn die stunden noch kein gesicht tragen



Hermann Josef Schmitz


Zwischen allen Märkten habe ich viel gelesen, diese Woche vor allem Krimis. Und das neue Buch von Jan Seghers war mit Abstand das Beste ... jede freie Minute genutzt, bis sich erst am Schluss alles löst.




Freitag, 8. Dezember 2017

Wintersonne

In der Wintersonne
erwärmt sich dein Traum
die Welt sei eine
helle Seele


Vergiss dein Bett
lass deine
Gedanken tanzen


Jeder Augenblick
schenkt dir
Ewigkeit


Du siehst die
Berge das
himmelfarbne Meer
Wälder reden zu dir


Alles dir anvertraut
von der
Wintersonne



Rose Ausländer


Danke Solothurn!
Nach Jegenstorf nochmals zwei kalte Markttage. Der erste war eher schleppend, sehr nasskalt und die Besucherzahl hat insgesamt abgenommen.

Der gestrige Tag hat uns wieder aufgerichtet, es gibt ein paar Momente, die ich gerne hier hinterlasse:
Die vielen wiederkehrenden Kunden.
Das Mädchen, das mit seinen Eltern am Mittwoch einen so schönen Abschluss bildete und gestern Morgen als erste nochmals mit seiner Mutter kam und unbedingt noch ein paar Ohrstecker brauchte.
Die Freude von Menschen an dieser anfassbaren und nicht digitalen Welt.
Die Dame, die sieben Bücher auf einmal von mir kaufte.
Die andere Dame, die am frühen Abend alle verbliebenen Porzellandosen mit Perlenknopf kaufte (das waren auch 6 Stück).
Die Freude der Menschen an Brieföffnern und mein ewiger Erklärungsversuch, dass man damit auch und vor allem Liebesbriefe öffnen kann.
Der liebe Standnachbar (mit dem Heizöfchen unterm Tisch), der mich beim Verkaufen beobachtete und meinte, ich sei sicher ein Vertriebler (das mit den Krawatten in Afrika üben wir nochmal).
Den einzigen Stand auf dem Chlausemäret zu haben, an dem die Herzdame und einige andere live demonstrierten, wie sich Glas in Kunst verwandeln lässt (und an dem alles ein bisschen rosa ob der roten Dachbedeckung wirkt).
Die unfassbare Freude von Kindern am Spiel der Farben und am Gefühl des Glases.

Das und viel mehr hat uns gestern Abend dann müde und erfreut abbauen und nach Hause fahren lassen.

Und wir danken allen sehr, die uns hier unterstützt haben. Wir schaffen es zu zweit nicht und schätzen es sehr, weil es nie selbstverständlich ist.

In diesem Sinne ein schönes und erholsames Wochenende.